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Surfen auf Eis und Schnee: Ein unschlagbarer Winterspass!

Wintersurfen ist Abfahrtslauf auf ebener Erde. Ohne Skilift und Warteschlange.Wintersurfen bedeutet 3000 Meter in weniger als drei Minuten zurückzulegen ohne ausser Atem zu kommen. Wintersurfen bedeutet auf der Stelle kehrt zu machen, Hügel hinauf und quer über Ebenen zu fahren und die anderen wie kleine Punkte in der Ferne zu sehen. Wintersurfen ist der Sport, der alle Vorurteile gegenüber dem Winterwetter auf den Kopf stellt: Je stärker der Wind ist, desto lustiger wird es (bis zu einem gewissen Grad).

Der Beginn
Für mich begann es auf dem Vansjø, mit alten Langstreckenschlittschuhen an den Füssen und einem Jollensegel in den Händen. Ich hielt das Segel einfach locker wie einen Fallschirm direkt in den Wind. Meine Geschwindigkeit steigerte sich explosionsartig und im nächsten Augenblick bewegte ich mich so schnell wie der Wind. Das war ein merkwürdig undramatisches Erlebnis. Der Wind hörte auf zu rauschen. Das Segel verlor all seine Kraft und geriet unter die Schlittschuhe und somit war ich so weit wie zuvor.

Glücklicherweise stand ein Weidenbusch ganz in der Nähe. Ich schnitzte mir ein paar lange Hölzer zurecht und spannte damit das Seil. Dann nur noch zurück auf das Eis, diesmal gegen den Wind. Einige Sekunden später war ich "hektet". Ich sauste über die Fjorde und durch den Sund, um die Inseln herum und in die Buchten, mit und gegen den Wind und in einem Tempo, von dem ich vorher nur träumen konnte. Es war nicht anstrengend und nicht schwierig. Es war einfach herrlich.

Selbstgemachte und "Profi-" Ausrüstung
Die ersten zwei Jahre habe ich mit meiner selbstgebastelten Ausrüstung weitergemacht. Mit kleinen Verbesserungen konne ich bis zu 50 km/h erreichen.Bei schnellerer Fahrt sorgte das Segel für Überraschungen. Es straffte sich und wurde unberechenbar.

Deshalb entschied ich mich für die Anschaffung eines finnischen "Vingeseil". Das ist ein vollkommen professionelles Segel, gebaut wie ein kleiner "hangglider". Es steht unter allen Bedingungen felsenfest im Wind. Mit diesem Segel hatte ich viele meiner allergrössten Natur- und Geschwindigkeitserlebnisse.

Geschwindigkeit und Spannung und ein bisschen mehr
Der Wind bestimmt das Tempo. Bei einer frischen Brise oder mehr kann man leicht auf eine Geschwindigkeit von 60 bis 80 km/h kommen. Die Beschleunigung ist gewaltig. Einige sagen, dass es sich anfühlt als gäbe man Vollgas auf einem Motorrad. Es kribbelt ganz schön im Bauch, aber nach einer Weile sucht man zusätzlich andere Herausforderungen.

Abends surfen
Einige meiner schönsten Fahrten habe ich abends und nachts unternommen und durchaus nicht bei "schönem Wetter". Wie einmal in diesem Winter. Eigentlich war ich auf dem Weg von der Arbeit nach Hause und meine Ausrüstung lag "zufällig" im Auto bereit. Die Versuchung war zu gross. Ich parkte am Ufer und zog Windhose, Pullover und Windjacke über die Bürokleidung. Schnürte die Schlittschuhe und richtete mit gefühllosen Fingern das Segel auf. Dann noch Fausthandschuhe, Helm und Rettungsweste und los ging es. Erstmal einen langen Schwung nach Norden über den Storfjord, rauf nach Mosseros, rüber nach Svinndalsiden und dann nach Süden und wieder nach Westen und vorbei an der "Burgengegend" Slottsholmen. Einen Extrabogen um die Inseln und dann wieder einige Schwünge über den Storfjord.

Selten habe ich solche Kontraste erlebt wie an dem Abend. Die Natur schlief; trotzdem hat sie mich mit einer Geschwindigkeit davongetragen, die Johan Olav Koss den Atem genommen hätte. Das Land und das Eis waren gleichzeitig hart und brutal und bedeckt von dem schönsten, seidenweichen Neuschnee. Das Schneetreiben hat an Land alle Konturen verwischt, zeichnete sich aber gleichzeitig klar und deutlich wie weisse Streifen von dem dunklen Segel ab. Hei, wie das lief! Das Segel war voller Kraft, zog aber so gleichmässig, dass ich über weite Strecken die Arme hängen lassen und nur auf einem Schlittschuh fahren konnte. Vor mir eine unberührte weisse Fläche so weit das Auge reichte. Hinter mir ein einzelner schmaler Streifen. Eine Schlittschuhspur, die in der Dämmerung verschwand, hinein in die Erinnerung an einen fantastischen Abend.

Auch in den Bergen
Das Vingeseil macht sich auf flachem Land am besten. Aber bei genügend Wind kann man auch in den hohen Bergen schöne Fahrten erleben. Das verlangt eine gute physische Verfassung. Man benutzt schwere Skier und keine Stöcke und muss damit rechnen, beim Fahren bergauf stecken zu bleiben, wenn es zu steil wird oder wenn der Wind abflaut oder aus der falschen Richtung kommt.

Wenn Sie erstmal auf den Geschmack gekommen sind, warten Sie ungeduldig auf die Tage, an denen andere Skiläufer sich drinnen aufhalten und über das Wetter stöhnen. Die Wenigen, die sich hinauswagen, erleben den Wind als mächtigen Gegner. Ein Hindernis. Für Sie ist er dann zu einer kostbaren Ressource geworden: Quelle des intensivsten Winterspasses, den Sie sich wünschen können.

Zu Luft und zu Wasser
Im Heimatland des "Vingseiles" (Finnland) haben Jugendliche herausgefunden, dass man ziehmlich weit springen kann, wenn man einen passenden Hügel findet und sich beim Schweben auf das Segel stützt. Am populärsten ist wohl das Trickspringen mit dem Schneebrett. Ich selbst habe dies auf vereisten Schären auf dem Vansjø ausprobiert und kann bekräftigen, dass es gut funktioniert. Der Trick ist, genau im Augenblick des Abhebens das Segel von der "Ziehstellung" in den "Gleitflug" umzustellen.

Ich habe auch herausgefunden, dass normale Abfahrtski als Wasserski völlig in Ordnung sind, wenn man schneller als 50 km/h fährt. Dies begann an einem dunklen und stürmischen Tag, als der Regen waagerecht herungerkam und sich in grossen Pfützen auf dem Eis gesammelt hat. Solche Pfützen können sowohl 10 als auch 20 cm tief sein und normalerweise muss man um sie herumfahren. Aber an dem Tag war das nicht notwendig! Nur schade, dass man nicht auch im Sommer so segeln kann.....

Warum ist der Sport nicht weiter verbreitet?
Ein Grund könnte sein, dass die Saison so kurz ist, wenn man die Tage mit richtigem Schnee, Eis und Windverhältnissen zusammenzählt.

Ein anderer Grund könnte sein, dass damit kein Geld zu holen ist. Es gibt (hierzulande) keine Wettbewerbe, also keine Sponsoren und kein Medieninteresse. Somit wissen die Leute nicht, was ihnen entgeht.

Ein drittes Problem ist, dass man grosse Flächen mit freiem Wind braucht, also eisbedeckte Binnenseen oder offenes Land. Beides gibt es, aber wenige Leute wissen, wo man gut fahren kann und wo nicht.

"Skiseil" gegen "Skimbat":
Das Surfen auf Eis und Schnee beginnt sich langsam auszubreiten. Viel zu langsam, meinen einige. Weil es so viel Spass macht! Das amüsanteste, was man mit Skiern an den Beinen und einem Segel in den Händen anfangen kann. Es gibt 4 bis 5 verschiedene Konzepte, aber (wahrscheinlich) nur 2, die in Zukunft hierzulande allgemein in Gebrauch genommen werden werden. An einem Februarabend haben sich diese beiden auf dem Vansjø in Østfold getroffen.

Zwei Konzepte
Die beiden vielseitigsten Konzepte für das Surfen auf Eis und Schnee sind das fallskjermseil ("Fallschirmsegel") und das vingseil ("Flügelsegel"). ... Beide geben viel Raum für die persönliche Entfaltung.

Die beiden, die sich im Februar getroffen haben, waren ein norwegisches fallskjerm-Modell ("SkiSeil Kompakt m/flaps") und ein finnisches Vingseil ("Skimbat"). Beide Surfer waren erfahren, aber nur jeweils mit der eigenen Ausrüstung. Beide waren gespannt darauf, die Ausrüstung des anderen zu sehen und auszuprobieren und ein kleines Wettrennen zu fahren. Es wurde ein lehrreicher Abend.

Ungleiches Wettrennen
Das Wettrennen ging schnell über die Bühne. "Skimbat" war vollständig überlegen. ... Das hatte viel mit den Wind- und Eisverhältnissen zu tun.

* Der Wind war leicht und unregelmässig, so dass es zeitweise schwierig war, den "Fallschirm" aufrecht zu halten. Diese Probleme hatte das "Vingseil" nicht. Unabhängig vom Wind hat es immer die gleiche Aerodynamische Form.

* Das Eis war spiegelglatt. Beide Mitstreiter benutzten Schlittschuhe. Wenn die Bodenreibung gleich Null geht, beschleunigt man immer mehr bis der Widerstand des Windes gleich der Triebkraft ist. Das bedeutet mit anderen Worten, dass der Wind immer (fast) von vorn kommt, egal in welche Richtung man surft. Diese Verhältnisse sind ideal für "Skimbat", aber am Rande dessen, wofür das "SkiSeil" konstruiert ist.

Ungleiche Segelfläche und Form
"Skimbat" hat knapp 5qm Segeltuch, nutzt diese Fläche aber wegen der idealen Form gut aus.

"SkiSeil" hat eine Fläche von 11 qm. Das ist am günstigsten, wenn es bergauf geht oder auf schwerem Untergrund. Je stärker man mit diesem Seil gegen den Wind fährt, umso mehr Wind von der Seite hat man. Es kommt zu einer grossen Kraftentfaltung aber begrenztem Vorwärtskommen.

Beide können sehr schnell werden
Bei richtigem Wind mit 10-15 m/sek kann man mit beiden Segeln eine Geschwindigkeit von bis zu 60-80 km/h erreichen. Bei dieser Geschwindigkeit hat man den Wind mit einer Stärke von 25-30 m/sek im Segel, je nachdem wie direkt gegen den Wind man es schafft zu fahren. Die Grenze liegt in der Bodenreibung. Durch das Segel wird man nach oben gezogen. Bei starkem Wind wird man auch stärker nach oben gezogen, hat dadurch eine geringere Bodenreibung und geringere Kontrolle.

Bei starkem Wind benutzt man immer Telemark- oder Abfahrtski, egal auf welchem Untergrund man fährt (Schnee oder Eis). Sonst kann man auch Schlittschuhe oder ein Snowboard banutzen. Mit Abfahrtskiern kann man auch auf Wasser surfen. Ich habe das ausprobiert, als Wasser auf dem Eis war und es ging ausgezeichnet! Beide Segel sind gut für Tricksprünge geeignet.

Nicht besonders schwer oder schwierig
Für das "SkiSeil" braucht man ein bisschen Übung. Man muss dem Segel mit den Augen folgen, da es sich in einem gewissen Abstand befindet, am anderen Ende eines Bundes mit Schnüren. "Skimbat" ist leichter zu bedienen. Durch die Arme und Hände, die es halten, steht es in direkter Verbindung zum Nervensystem. Daher ist es auch für das Segeln bei Nacht geeignet.

Das Vinseil hat grössere Kontrollmöglichkeiten und kann daher auch grössere Turbulenzen aushalten. Es ist, falls notwendig, auch bei einem Angriffswinkel von Null Grad noch stabil. Der Fallschirm ist schwieriger zu "neutralisieren". Er ist entweder "oben" oder "unten".

Viele Anfänger glauben, dass man das Vingseil "tragen" muss. Das ist nur bei Windstille richtig. Sobald der Wind eine Geschwindigkeit von über 2-3 m/sek erreicht hat, fliegt es von selbst. Die Kraft benutzt man, um zu steuern und um es unten zu halten. Nicht oben.

Ist das gefährlich?
Auf blankem Eis ist der Sport nahezu ungefährlich. Bei einer Geschwindigkeit von 80 km/h hinzufallen tut genauso weh wie das Fallen bei absolutem Stillstand. Aber es kribbelt mehr im Bauch. Im übrigen ist der Gefährlichkeitsgrad ungefähr der gleiche wie beim Abfahrtslauf "off piste". Bei schnellem Fahren sollte man einen Helm benutzen! Bei lockerem Pulverschnee kann es Probleme mit der Sicht geben. Dann muss man langsamer fahren.

Welches ist "das beste" Segel?
Beide sind am besten, jedes für seine Verhältnisse. * "SkiSeil" findet in einem kleinen Beutel Platz und ist daher in der praktischen Zugänglichkeit bei Ausflügen überlegen. Es ist ebenfalls überlegen wenn die Umgebung zu ihrem Recht kommt, also bei richtig schwerem Untergrund oder wenn es steil bergauf geht.

* "Skimbat" ist effektiver und gibt bessere Kontrollmöglichkeiten bei starkem oder ungleichmässigem Wind, es macht sich aber aufgrund des kleinen Segels am besten entweder auf flachem Land oder bei starkem Wind.

Jørgen Klaveness